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Prolog Bearbeiten

Schritte.
Noch kein einziger Sonnenstrahl hatte sich in dieser finsteren Nacht auf die Erde getraut. Der Nebel stieg grünlich schimmernd vom Hafen auf und legte sich beinahe schützend um die nächtliche Stadt, wie ein Geheimnis, das um jeden Preis behütet werden musste. Und der Wind zerrte kräftig an den Bäumen und trug alles mit sich, was er der Natur entreißen konnte.
Kein Mensch traute sich im Dunkel dieser Sturmnacht nach draußen.
Keiner, außer ihr.

Wie ein Schatten schlich sie sich durch die nächtliche Straßen.
Ein paar Mal hielt sie an, schaute hinter sich, blickte um die Ecken, zog die Kapuze fester über sich. Wie von einer inneren Unruhe getrieben lief sie danach wieder hastig weiter. Ein schwarzer Mantel hing über ihr, wie ein dunkler Schutzwall, trotzdem zerrte der Wind an ihr, als wollte er sie mit sich ziehen, tiefer in die Finsternis.
Das Kind, das sie schützend unter ihrem Mantel trug, weinte in seinem Schlaf.

"Bald bist du da, meine kleine Prinzessin.", sagte sie leise. Ihre Stimme klang kalt. Rau. Und gebrochen, als hätte sie sich viele Nächte lang in den Schlaf geweint. Das Kind verstummte, wie besänftigt von der Stimme, die zu ihm sprach.
Die Frau wusste nicht, dass sie die Einzige bleiben würde, die das Kind so berühren konnte. Aber sie wusste, dass dieses Kind beschützt werden musste.
Und darum schleppte sie sich weiter, durch die dunklen Straßen, in einer Stadt, die aus Lügen gebaut war. "Aber es sind Lügen, die dich beschützen werden", sagte sie zu dem Kind. "Besser, als ich dich beschützen kann."

Vor einem Haus blieb sie letztendlich stehen. Tränen schimmerten in ihren Augen, als sie sich neben den Treppenstufen hinhockte und das Kind aus dem Schutz ihres Mantels zog.

"Spürst du es?", fragte sie das Kind in ihrem Arm.
Mit großen, blauen Augen sah das Baby zu ihr hoch. Kaum merklich hob sich ein Mundwinkel und es streckte die Hand nach ihr aus, als wollte es nach ihrer Nase greifen.
"Ich hoffe, dass wenigstens du es spürst, dass es gut ist." Sie schluckte. Danach legte sie das Kind vorsichtig auf der obersten Treppenstufe ab. "Ich kann es nämlich nicht spüren."
Sie wischte sich einmal über die Augen.

Ihre Stimme zitterte, als sie fortfuhr: "Da ist nur Schmerz. Er kommt aus meinem Herzen frisst sich durch meinen Körper wie ein tödlicher Wurm." Sie blickte dem Kind direkt in die Augen. "Und irgendwann findet er dann meine Seele, und isst sich daran satt. Vielleicht, finde ich dann meine Ruhe. Vielleicht auch nicht. Aber ich muss das tun. Für dich, weil ich dich liebe."

Sie blickte noch einmal hinter sich.
"Zwei Sachen will ich dir sagen, idiotisch, wenn ich daran denke, dass du es vergessen wirst, bis du dann so alt bist, dass es eine Rolle spielt. Aber ich muss es sagen. Einmal kurz eine Mutter für dich sein.
Das Leben ist voller Lügen. Aber das sage ich dir ja schon die ganze Zeit. Du solltest immer wissen, dass jede deiner Wahrheiten auf einer Lüge basiert. Und immer auf einer Lüge basieren wird.
Zweitens, Liebe ist Gift. Weil sie immer mit Schmerz kommt. Deshalb musst du wissen, dass du dich gleichzeitig vergiftest, wenn du jemanden an dein Herz lässt, auch wenn es am Anfang gut tut. Ja, so ist das. So ist das Leben."

Sie stand auf, aus ihrer Kauerhaltung.
"Ich werde dich gleich alleine lassen. Aber du wirst nicht lange alleine sein müssen. Gleich bist du bei dem Leben, das du verdient hast. Es tut mir leid, dass ich dir das nicht selbst geben kann. So ist das Leben. So schrecklich gemein.
Und du wirst mir nicht verzeihen, warum auch. Aber das sage ich ja, die ganze Zeit schon.
Eines Tages werde ich dich wiedersehen. Vielleicht. Auf wiedersehen. Auf wiedersehen, Blossom."

Dann drückte sie zweimal auf die Klingel und rannte davon.

Kapitel 1 Bearbeiten

"Willst du was essen, bevor dein Zug kommt?", fragte Troy mich, von dem ich beschlossen hatte ihn nicht mehr 'Dad' zu nennen, sondern lieber 'Mr. Parker'. Sein Blick schweifte über die Bahnhofsgeschäfte hinter mir. "Siehst du, es gibt hier sogar ein McDonalds. Das isst du doch immer in deiner Freistunde, oder?" Mr. Parker hasste Fast Food. Angesichts dieser Tatsache, musste man dieses Angebot wohl mit einem sehr schlechten Gewissen verbinden. "Nein Danke.", sagte ich, höflich, wie ich auch zu anderen erwachsenen gewesen wäre. Gerade fragte ich mich, ob ich nicht auch seine Erziehung wegschmeißen sollte.

Troy seufzte. "Na gut, hättest du was dagegen, wenn wir noch etwas essen gehen? Ich hab Hunger." Vermutlich wollte er sich irgendwie noch verabschieden, bevor ich wegging. Vermutlich für immer. Aber er war ja nicht mein Vater. Er hätte wahrscheinlich selbst niemals ein Kind adoptiert, wenn ich nicht damals vor seiner Tür gelegen hätte. "Sushi", sagte ich. "Sushi wäre cool." Er nickte bloß und drehte um. Normalerweise hätte ich meinen Koffer selbst rollen müssen. Aber diesmal rollte er damit vor mir her. Mit dem hässlichsten lilanen Hannah Montana-Koffer, den die Welt je gesehen hatte.

Ich trank also meine Coke, absichtlich schlürfend, und genoss meine Sushi. Mit offenem Mund kauen oder schmatzen fand ich dann aber doch zu eklig. "Und, aufgeregt?" Eigentlich musste er einem schon leidtun. Ihm wäre es wahrscheinlich auch lieber gewesen, wenn es nie ein Geheimnis gegeben hätte. Aber mich hielt nichts mehr hier. Vorallem, seit ich wusste, dass ich irgendwie zaubern konnte. Fakt war, Troy und Linda hatten mich mein Leben lang belogen, ich war sauer, und weil es die Möglichkeit gab, auf diese Zauberschule zu gehen, wollte ich die Gelegenheit ergreifen. Vielleicht würde ich sogar meine wahre Mutter kennenlernen und meinen wahren Vater. "Du warst ein guter Vater", sagte ich also, statt auf die Frage einzugehen. "Ich hab dich wirklich lieb gehabt. Und mit dir zu segeln. Das war auch schön. Du kannst gut singen. Auch wenn du es hast. Ich werd dich nie vergessen." Troy lächelte. "Ich dich auch nicht, Lil."

Im Zug saß ich neben einer älteren Dame, die Sudokus löste. Und ziemlich gut darin war. Wirklich beeindruckend gut.

Ich brauchte immer Stunden, bis ich eins fertig hatte. Einmal in Mathe hatten wir das machen müssen. Ich war als letzte fertig von allen. Genauso war das auch immer mit diesen Hausaufgaben wo es Kreuzworträtsel oder Wortsuchen zu machen gab. Die Lehrer dachten, sie machten uns eine Freude, aber ich saß immer Stunden daran und versuchte die verdammten Wörter zu finden.

"Entschuldigen Sie?", fragte ich. Sie blickte auf und sah mich direkt an. "Ich wollte fragen, ob ich auch eins versuchen darf." Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. "Sicher."

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